Diagramm mit sinkenden organischen Klicks und steigenden Klicks über AI.
Baseline Marketing5 min Lesezeit

GEO erklärt, ohne den Hype

Von Marijn Versteeg

Warum die AI-Suche dein Marketing verändert, und warum du dafür keine teure Agentur brauchst

Diesen Monat ist mir das bei einem Kunden passiert: Drei verschiedene Agenturen haben ein sogenanntes "GEO-Programm" gepitcht. Nach einem kurzen Blick auf die Angebote kam die Wahrheit schnell ans Licht: Zwei der drei Anbieter verkauften schlicht klassisches SEO, nur mit einem trendigen neuen Label. Dieselbe Keyword-Analyse, dasselbe Link Building, lediglich ein anderes Deckblatt.

Das ist typisch für den aktuellen Stand von GEO: Es findet eine echte, bedeutsame Veränderung statt, gleichzeitig gibt es gerade enorm viel Lärm darum. In diesem Blog erkläre ich nüchtern, was GEO wirklich ist, warum es wichtig ist und was du als internes Marketing-Team diesen Monat selbst tun kannst. Ohne dieses Angebot für ein paar Tausend Euro.

Was sind GEO und AEO eigentlich?

GEO steht für Generative Engine Optimization. Es geht darum, deine Inhalte und deine Online-Präsenz so aufzustellen, dass AI-Systeme deine Marke nennen, wenn ein Nutzer eine Frage stellt. Denk an Chatbots wie ChatGPT, Google Gemini, Copilot, Claude und die AI-Übersichten, die immer häufiger ganz oben in den Google-Suchergebnissen erscheinen.

In Gesprächen hört man auch oft den Begriff AEO (Answer Engine Optimization). In der Praxis werden diese beiden Begriffe synonym verwendet; der Unterschied ist für die meisten Marketing-Teams daher nicht relevant.

Was zählt, ist der grundlegende Wandel im Suchverhalten: Früher suchte jemand bei Google, bekam zehn blaue Links und klickte sich zu einer Website durch. Heute stellt jemand eine Frage und bekommt sofort eine fertige Antwort. Die entscheidende Frage für dein Marketing lautet: Ist deine Marke Teil dieser Antwort?

Warum es jetzt relevant ist

Das ist keine ferne Zukunftsmusik. Laut Prognosen von eMarketer werden bis 2026 fast ein Drittel aller Menschen generative AI nutzen, um etwas nachzuschlagen, neben oder anstatt einer klassischen Suchmaschine.

Das verändert die Grundlage des Marketings: Ein Teil deiner Zielgruppe wird schon bald auf eine Antwort landen, ohne jemals auf deiner Website gewesen zu sein. Wirst du von der AI nicht erwähnt? Dann existierst du in diesem Gespräch schlicht nicht. Und anders als beim klassischen SEO siehst du das nicht direkt als Rückgang im organischen Traffic, denn der Traffic war von Anfang an nie da.

Zum Glück musst du nicht passiv abwarten. Forscher von Princeton und Georgia Tech haben unter anderem gezeigt, dass du mit dem richtigen Ansatz die Chance, dass AI-Systeme deine Inhalte zitieren, deutlich erhöhen kannst. Du kannst also direkten Einfluss nehmen.

Das Hype-Problem: Was funktioniert wirklich?

Weil der Begriff GEO erst wenige Monate alt ist und die Definitionen noch nicht festgelegt sind, steht eine lange Schlange von Agenturen bereit, mit beeindruckenden Dashboards und teuren Programmen. Vieles von dem, was als "neu" verkauft wird, ist es aber nicht. Es sind Arbeiten, die du wahrscheinlich schon längst hättest erledigen sollen.

Wenn man den Lärm herausfiltert, bleibt eine überraschend nüchterne Liste. AI-Systeme bevorzugen Inhalte, die:

    1. Eine echte Frage direkt beantworten. Nicht nach vier Absätzen Aufwärmtext, sondern sofort. Die Antwort steht oben, die ausführliche Erklärung folgt darunter.
    2. Substanz haben. AI-Modelle filtern generisches Geschwätz heraus, das überall zu finden ist. Sie suchen nach einzigartigen, eigenen Zahlen, praktischer Erfahrung und einem klaren Standpunkt.
    3. Eine erkennbare Quelle haben. Die AI wägt ab, ob andere dich ernst nehmen. Das bedeutet: Inhalte, die von einem Experten mit Namen und Gesicht verfasst wurden, und eine Marke, die auch anderswo online positiv erwähnt wird.
    4. Regelmäßig erscheinen. Eine gute Seite ist keine Strategie. Regelmäßigkeit und ein verlässlicher Strom an Inhalten schon.
GEO ist also keine komplizierte technische Nische. Es ist schlicht guter Content, klar geschrieben von jemandem, der weiß, wovon er spricht. Die AI ist allenfalls ein neuer Leser mit ein paar spezifischen Vorlieben.

Was du diesen Monat selbst tun kannst

Du brauchst keine externe Agentur, um loszulegen. Dein internes Team kann noch heute mit diesen vier Schritten anfangen:

1. Sammle die zehn wichtigsten Kundenfragen (zum Beispiel aus Verkaufsgesprächen) und gib auf deiner Website zu jeder eine direkte, ehrliche Antwort.

Direkt antworten: von zehn Kundenfragen zu einer direkten Antwort auf deiner Website

2. Kürze die Aufwärm-Absätze und platziere die konkrete Antwort direkt am Anfang jeder wichtigen Seite.

Aufwärm-Absätze kürzen: die Antwort direkt an den Anfang der Seite stellen

3. Frag ChatGPT, Copilot und Claude, was sie über deine Produktkategorie und deine wichtigsten Mitbewerber sagen. Schau kritisch, ob und wie du darin vorkommst.

Eine Basismessung durchführen: deinen Ausgangspunkt mit AI-Tools und Analytics messen

4. Prüfe in deinen Analytics, ob Besucher bereits über AI-Tools zu dir kommen. Das ist deine Basismessung.

Einzigartiges Fachwissen teilen: was AI-Modelle zitieren und was nicht

Wann kannst du das erst mal ruhen lassen?

Seien wir ehrlich: Nicht jedes Unternehmen muss das heute auf dem Schirm haben. Bist du in einem Markt, in dem Menschen überhaupt noch nicht via AI nach Lösungen suchen? Oder hast du die absoluten Basics deines Marketings (eine ordentliche Website mit starkem Kerninhalt) noch nicht in Ordnung? Dann fang dort an. GEO baut auf diesem soliden Fundament auf, es ersetzt es nicht.

Zum Schluss

Der Wandel hin zur AI-Suche ist real und er wird nicht verschwinden. Die Panik darum hingegen wird sich wahrscheinlich legen. Du musst nicht der Erste sein, der das teuerste Programm kauft, um relevant zu bleiben. Vor allem musst du verstehen, was sich verändert, deine Basics im Griff haben und bewusst darauf steuern.

So gehen auch wir bei Format FWD damit um. GEO ist kein isolierter Trick, sondern ein fester Bestandteil deines gesamten Funnels. Erst schauen, was die Zahlen und die Basismessung sagen, und dann mit Absicht aufbauen.

Willst du wissen, wie sichtbar deine Marke bereits ist? Stell deiner Kategorie ein paar gezielte Fragen in ChatGPT. Was du dort siehst, oder genau vermisst, ist der perfekte Ausgangspunkt für das Gespräch.

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